Setting
Die Laborleiterin des Raumschiffs empfängt die Expert:innen für die Erforschung neuer Lebewesen (das Publikum).
Eine neue Kreatur (entdeckt im Sektor ZINO11), wurde auf Deck 1.41 aufgenommen.
Die Expert:innen sind eingeladen, die Kreatur zu erkunden.
Das Lebewesen hat einen extremen Expansionsdrang, sodass es das komplette Deck 1.41 mit seinem Körper ausfüllt und deshalb nur von innen Betrachtet werden kann.
Ein entsprechender Zugang wurde vom Wissenschaftsteam des Raumschiffs bereits gelegt.
Zuvor erfolgt auf dem Korridor duch die Laborleiterin eine Sicherheits-Unterweisung und es werden gemeinsam Übungen zum sicheren Betreten des Inneren des Lebewesens absolviert.
Teil der Unterweisung sind auch umfangreiche Trigger-Warnungen: Im Inneren ist unter anderem mit strengen Gerüchen, Lichtblitzen, lauten Geräuschen und schwebenden Organen zu rechnen.
Die Teilnehmenden werden gebeten, die Kreatur mit Respekt zu behandeln.
Im Inneren des Wesens
Wir befinden uns im Inneren eines Lebewesens. Rote Lichtstreifen durchdringen die schwarzen Organwände.
Wir hören den Herzschlag des Lebewesens.
Amöbenartige Organe schweben durch den Raum.
Ein Organ gibt Geräusche von sich, wenn es auf Betrachter reagiert; eine größere Amöbe gibt Geräusche von sich, wenn sie von den Forschern berührt wird.
Ein kleines Organ liegt auf dem Boden; jemand tritt versehentlich auf die Amöbe: Sie schreit!
Ein anders Organ läuft auf vier Beinen (?) durch den Raum. Reagiert es auf die Forscher oder nicht? Wenn man die Pocken an der Organwand berührt, hört man Fragmente von Gedanken früherer Forscher über Objekt-Subjekt-Beziehungen.
Der Herzschlag wird schneller und lauter, das Licht flackert, und plötzlich platzt das Wesen. Der Raum wird hell wie am Tag. Der Laborleiter ist überrascht, dass das Wesen durch die Forschung so schnell zerstört wurde, und dankt den teilnehmenden Forschern für ihre Neugier.
Vorüberlegungen
Was wäre, wenn der Raum zu einem Lebewesen würde?
Wie weit gehen wir bei unserer Erforschung der Dinge?
Bleiben wir rational oder werden wir empathisch, wenn Lebewesen auf uns reagieren?
Wie berühren wir Dinge mit und ohne Beziehung?
Haben wir Angst, Dinge zu verletzen, auch wenn wir wissen, dass es sich um lebloses Material handelt?
Konzept
Im Inneren des Aliens herrschte weitgehend Dunkelheit. Durch ein pulsierendes rotes Hintergrundlicht war den "Expert:innen" eine eingeschränkte Orientierung im Raum möglich.
Die klangliche Atmosphäre erinnerte an Herztöne. Ihre Dynamik war synchron zum Beben des Lichts.
Einige "Organe" schwebten durch den Raum. Sie wurden von Figurenspieler:innen über Fäden manuell gesteuert. So konnten die fliegenden Objekte in Interaktion mit den "Expert:innen" treten.
Ausgestattet mit berührungsempfindlichen Sensoren, veränderten die Organe bei Berührung das ambiente, nahezu flächige, Klangfeld im Inneren des Aliens. Es gewann an Textur und die Dynamik nahm, je nach Intensität der Interaktion, zu.
Auf dem Boden lagen weitere "Organe", die sich teilweise kaum wahrnehmbar und teilweise wie eine vierbeinige Spinne durch das Innere des Aliens bewegten.
Diese Kombination löste bei den Betrachtenden eine Reaktion aus, die vom neugierigen Berühren der Objekte bis deren empathischer Subjektivierung reichte.
Ein "Organ" stieß quiekende Äußerungen aus, wenn man es trat – sodass eine Assoziation von verursachtem Schmerz entstehen konnte.
Diese Konstellation provozierte eine kontroverse Situation:
Spiele ich mit dem einfachen Reiz-Reaktions-Schema?
In wie weit nehme ich das (interaktive) amorphe Stoffobjekt als Subjekt wahr?
Ist es moralisch verwerflich das "Wesen" zu quälen – bzw. handelt es sich hier überhaupt um eine Form von Gewalt?
Ist etwas an dieser künstlerischen Vorgehensweise (eine solche Situation zu nahezulegen) verwerflich?
Zusammenspiel von Hardware
und verschiedenen Software-Welten
Hackathon: Zum Einsatz konnten nur Dinge kommen, wie das Team vor Ort vorfand und jene, die in die Reisekoffer bzw. auf die Laptops passten.
Die eingesetzten Sensorsysteme basierten alle auf ESP6266-Boards, die ihre Messwerte via WLAN an eine Steuersoftware auf Basis von Max/MSP übertrugen bzw. von dieser Steuerbefehle erhielten.
In einem der Reisekoffer befand sich eine ganze Reihe bereits konfigurierter Module aus Controller und Sensor bzw. Controller und Aktor zur Verfügung:
* Einfache analoge und digitale Eingänge
* IMU-Sensoren (BNO055)
* Touchsensoren (MPR121)
* Drucksensoren (via MCP3424)
* Optische Distanz-Sensoren (VL53L0X und VL6180X)
* Servo-Motoren
* MP3-Player
Zur Steuerung der Licht- und Klang-Atmosphäre kam eine selbstgebaute Multimedia-Entwicklungsumgebung zum Einsatz. Die dazu erforderliche Veranstaltungstechnik konnten wir vor Ort "finden" (1000-Dank an das Technik-Team der HfS).
Die Kommunikation der Microcontroller mit der Steuersoftware (Max/MSP-Patches) und dieser wiederum mit der Multimedia-Software erfolgte über WLAN auf Basis des Protokolls Open Sound Control (OSC).
Lars Engeln
Alice Therese Gottschalk
Wolfram Lakaszus